Hotel der Schlaflosen

Erzählungen

»Fear is a man’s best friend« lautet das Motto von Ralf Rothmanns neuem Erzählungsband Hotel der Schlaflosen, und tatsächlich ist es oft die Angst, die seinen Figuren aus der Not hilft. Der alternde Dozent, dem während einer Autopanne in der mexikanischen Wüste die Logik der Liebe aufgeht, die Geigerin, die eine finale Diagnose erhält, oder das Kind im Treppenflur, das seine Prügelstrafe erwartet – sie alle erfahren Angst auch als spiegelverkehrte Hoffnung. Und sogar in der erschütternden Titelgeschichte, dem Gespräch des Schriftstellers Isaak Babel mit Wassili Blochin, seinem Moskauer Henker, für den eine Pistolenkugel die letzte und höchste Wahrheit ist, lässt uns der Autor teilhaben an der Einsicht, dass es eine höhere gibt.


Ralf Rothmann: Hotel der Schlaflosen - Erzählungen: Suhrkamp 2020


17. Mai 2021

Ralf Rothmann

Ralf Rothmann gehört zu den meistgelesenen Schriftstellern Deutschlands. Seine neuen Erzählungen „Hotel der Schlaflosen“ stehen aktuell auf Platz 4 der renommierten SWR-Bestenliste. Mit Preisen wurde er geradezu überhäuft. „Kaum ein anderer Autor seiner Generation beherrscht die Erzählkunst des poetischen Realismus so wie der vielfach preisgekrönte Ralf Rothmann. Auf seine Bücher warten manche Leser so inbrünstig wie früher Fans auf die neue Platte ihrer Lieblingsband“, schreibt der Literaturkritiker Hajo Steinert. 

Rothmann wurde am 10. Mai 1953 in Schleswig geboren und wuchs in Oberhausen im Ruhrgebiet auf. Als er fünf Jahre alt war, zog die Familie vom ländlichen Schleswig-Holstein in die verrusste Industrielandschaft, weil sie bessere Verdienstmöglichkeiten brauchte. Der Vater arbeitete als Kohlenhauer in der Zeche, die Mutter als Kellnerin in der Bahnhofgaststätte. Der Umzug war für den jungen Rothmann ein Schock. Nach der Volksschule und der Handelsschule machte er zuerst eine Lehre als Maurer. Er arbeitete in zahlreichen Berufen, so auf dem Bau, als Koch und Fahrer einer Grossküche, aber auch als Krankenpfleger. 1976 zog er nach Berlin Schöneberg, wo er in der Bohème- und Hausbesetzer-Szene die ersten Schriftsteller und Künstler kennenlernte. In dieser Zeit begann er mit dem Schreiben. Auf Anhieb fand er ein riesiges Lesepublikum.  

Ralf Rothmanns Quelle ist oft die eigene Biographie. Nicht nur machte er seine Herkunft immer wieder zum Thema, seine Figuren ähneln partiell nicht selten ihm selbst. Der Schriftsteller sagt von sich, dass seine Sprache nur dann Schwerkraft habe, wenn sie aus den selbst erlebten Erfahrungen spreche.

Sein imposantes Werk umfasst Gedichte, Romane und Erzählungen. Zuletzt: die Romane „Im Frühling sterben“ (2015) und „Der Gott jenes Sommers“ (2018) sowie die Erzählungen „Hotel der Schlaflosen“ (2020).

Auszeichnungen (Auswahl): Hermann-Lenz-Preis (2001), Kranichsteiner Literaturpreis (2002), Max Frisch-Preis (2006), Kleist-Preis (2017), Premio San Clemente (2018), Uwe-Johnson-Preis (2018).

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