04. November 2019

Thomas Hürlimann

Der Erzähler und Bühnenautor gehört zu den auch international meistbeachteten Schriftstellern der deutschsprachigen Literatur. Die eigene Biographie, die Heimat, die kritische Auseinandersetzung mit der Schweizer Politik: all das gehört seit den Anfängen zu Thomas Hürlimanns literarischem Instrumentarium. Als er 1981 mit dem Erzählband „Die Tessinerin“ debütierte, katapultierte er sich auf Anhieb in die erste Reihe der Schweizer Literatur, so eindrücklich thematisierte er in den sechs Erzählungen die ambivalente Erinnerung an die Kindheit. Schlag auf Schlag legte er u. a. mit „Das Gartenhaus“ (1989), „Der grosse Kater“ (1998) oder „Fräulein Stark“ (2001) eindrückliche Romane und Novellen vor, in denen er sich durch hohes formales Bewusstsein, differenzierte Beobachtung und eine Gabe für turbulente Komik auszeichnete. 

Tomas Hürlimann, 1950 in Zug geboren, entstammt einer prominenten Familie, die er immer wieder als Kulisse und (Vexier)-Spiegel seiner literarischen Werke montierte. Sein Vater war der spätere Bundesrat Hans Hürlimann, seine Mutter Marie-Theres Hürlimann-Duft gehört zur St. Galler CVP-Dynastie Duft. Der Onkel Johannes Duft, Stiftsbibliothekar in St. Gallen, sah sich als Opfer des „Schlüsselromans“ „Fräulein Stark“ und verfasste eine zehnseitige Streitschrift gegen den Roman, die schon darum Aufsehen erregte, weil er Hürlimann darin als „verwöhntes Herrensöhnchen“ bezeichnete.

Thomas Hürlimanns Roman „Der grosse Kater“ wurde mit Bruno Ganz in der Hauptrolle verfilmt. Für sein Werk erhielt der Schweizer Autor zahlreiche wichtige Auszeichnungen, u. a. den Joseph-Breitbach-Literaturpreis, den Jean-Paul-Preis, den Thomas-Mann-Preis und zuletzt, zusammen mit Adolf Muschg, den Gottfried-Keller-Preis (2019). Seine Werke wurden in 21 Sprachen übersetzt. Hürlimann lebt inzwischen in Walchwil und Berlin.

Büchertisch

Buchhandlung am Hottingerplatz

Leseempfehlungen zu Thomas Hürlimann

 
 

Die Heimkehr

Roman

 

Nach vielen Jahren der literarischen Abstinenz kehrt Thomas Hürlimann mit dem furiosen Roman „Die Heimkehr“ (2018) zurück,- als ein Anderer, Gewandelter. Der Meister der strengen Form und der abgezirkelten Novelle hat einen phantastischen, grotesken, überschwappenden Roman geschrieben über den Kampf zwischen dem übermächtigen Vater und dem rebellierenden Sohn. Es ist eine komisch-brillante Variante des alten Oedipus-Themas unter der Maske des Schelmenromans.

 

Der Schriftsteller erzählt die uralte Geschichte vom verlorenen Sohn, der zu seinem Vater zurückkehrt. Die Heimat ist für seinen Helden Heinrich Übel vermintes Gelände. Der dominante Vater, ein Gummifabrikant, trägt den gleichen Namen wie der Junior, der wiederum wie Thomas Hürlimann am 21. Dezember geboren wurde.

 

Vater und Mutter sind für Heinrich Übel Leerstellen. Der selbstherrliche Firmenpatriarch jagte den Sohn trotz seiner Erfolge als Werbefachmann bereits mit zwanzig aus dem Haus, - er hielt ihn für einen Gescheiterten, Missratenen. Die Mutter verschwand, als Heinrich Übel noch ein Kind war,- angeblich, weil sie im See ertrank. Jetzt ruft der Vater den Sohn ins Hochtal zurück, weil er seine Unterstützung braucht. Thomas Hürlimann erzählt eine Rückkehr in mehreren missglückten Versuchen und mit phantastischem Ausgang.

Sein irrwitziger Roman ist die moderne Antwort auf die Heimat- und Ich-Suche von Gottfried Kellers des „Grünem Heinrich“.


Thomas Hürlimann: Heimkehr. Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2018