18. November 2019

Prof. Dr. Daniel Hell, emer. Professor für Klinische Psychiatrie UZH

Geboren 1944 in Uzwil. Er studierte in Zürich und Basel. An der Universität Zürich habilitierte er sich 1982 über Ehen depressiver und schizophrener Menschen. Von 1984 bis 1991 leitete er die psychiatrische Klinik Schaffhausen, von 1991 bis 2009 war er Direktor der Psychiatrischen Klinik Zürich, ebenfalls 1991 erfolgte die Ernennung zum ordentlichen Professor für Klinische Psychiatrie. Heute ist er in der Klinik Hohenegg in Meilen tätig.

 

Daniel Hell ist Spezialist für affektive und psychotische Erkrankungen in ihrer neurowissenschaftlichen und anthropologischen Komplexität. Er wehrt sich dagegen, den Menschen auf materielle Aspekte zu reduzieren. Er ist der Meinung, dass es neben der neurobiologischen Forschung auch Wissen und Verständnis für die Verletzlichkeit, für Verlust- und Überforderungssituationen, Beziehungskonflikte und persönliche Schwierigkeiten des Menschen brauche.

 

Die Sach- und Fachbücher von Daniel Hell beschäftigen sich mit depressiven und affektiven Problemen. „Welchen Sinn macht Depression“ (1992) ist seit Jahren ein Bestseller und bereits in der 18. Auflage, ebenso „Die Sprache der Seele verstehen“ (2002, 12. Auflage). Zuletzt erschien „Lob der Scham – Nur wer sich achtet, kann sich schämen“ (2018)


Die Depression, die Literatur:

Gespräch mit dem Psychiater Daniel Hell


Schwerpunkt in der Reihe „Grosse Bücher - Grosse Autoren“ ist ein Gespräch über "Wahn, Depression, Literatur". Pia Reinacher spricht mit dem renommierten Professor für Klinische Psychiatrie und Spezialisten für Depressionen und Schizophrenie über dieses tabuisierte Thema. Daniel Hell gilt als eloquenter, innovativer Gesprächspartner. Dass er breite Schichten für seinen ganzheitlichen Ansatz interessieren kann, zeigt sein Buch „Welchen Sinn macht Depression“, bei Rowohlt seit Jahren ein Longseller.

 

Sowohl Schriftsteller als auch Leser können sich oft über exzessives Schreiben und obsessives Lesen psychisch stabilisieren. Schreiben erzeugt Glückserfahrungen, Lesen vermittelt Träume. Die positiven Gefühle sind häufig die Kehrseite einer Depression. Was wäre mit Robert Walser geschehen, wenn er nicht über Jahrzehnte zwangshaft seine Mikrogramme hätte notieren können? Was hätte die Krimiautorin Patricia Highsmith getan, - die nicht ohne ihre Schneckensammlung und ein paar Salatblättern verreisen konnte -, wenn sie nicht Krimis hätte erfinden können? Was wäre mit Georges Simenon gewesen, wenn er sein Hassverhältnis zur Mutter und seine Bewunderung für den Vater nicht in unzählige Krimis hätte verschieben können, die den gerechten, gutmütigen, verlässlichen Maigret als beruhigende Instanz etablierten?

 

Was wäre mit vielen Lesern, die durch süchtiges Lesen gefahrlos an den wilden Szenarien teilhaben könnten, die ihnen Autoren mit ihren Büchern anbieten? Was, wenn das Lesen nicht das Erleben eines Parallellebens erlauben würde und sie gefahrlos zu passiven Komplizen des Autors würden? Wir diskutieren mit dem Spezialisten für Psychiatrie diese fächerübergreifenden Fragen, zu denen die Literaturwissenschaft nicht unbedingt Antworten hat.

 

Diskussion mit Textbeispielen von Schriftstellern der Weltliteratur, vorgelesen vom Schweizer Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart.


Büchertisch

Buchhandlung am Hottingerplatz

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