25. November 2019

Lea Singer

Die Kulturhistorikerin und Schriftstellerin Eva Gesine Baur wurde am 11. August 1960 in München geboren. Fiktionale Literatur, vor allem Romane mit einem musikhistorischen Hintergrund, schreibt sie unter dem Pseudonym Lea Singer.

 

Sie studierte Kunstgeschichte, Gesang, Musik- und Literaturwissenschaften und promovierte in Kunstgeschichte mit der Dissertation „Studien zum französischen und englischen Kinderbild im 18. und 19. Jahrhundert“. Baur ist verheiratet und lebt mit dem Psychoanalytiker und Therapeuten Wilhelm Schmid-Bode in München.

 

Als Eva Gesine Baur publizierte sie Sachbiographien über Charlotte Schiller, Frédéric Chopin, Emanuel Schikaneder und Wolfgang Amadeus Mozart. Auch einige ihrer fiktionalen Werke, die sie als Lea Singer schrieb, widmen sich Persönlichkeiten und Begebenheiten der Kulturgeschichte sowie Musikern, u.a. „Die Zunge“ (2000) über den Erfinder der Gourmet-Kritik Grimod de La Reynière, „Wahnsinns Liebe“ (2003) über die Dreiecksgeschichte Mathilde Schönbergs,„Konzert für die linke Hand“ (2008) über das Schicksal des Pianisten Paul Wittgenstein, „Anatomie der Wolken“ (2017) über die Begegnung von Goethe mit Carl David Friedrich.


Büchertisch

Buchhandlung am Hottingerplatz

Leseempfehlungen zu Lea Singer

Der Klavierspieler (2019)

Roman

 

In der Zentralbibliothek Zürich lagert ein brisanter Nachlass, und Lea Singer bekam ihn vor sieben Jahren als Erste zu Gesicht: Der Briefwechsel des Meisterpianisten Wladimir Horowitz mit seinem Schüler Nico Kaufmann, einem Arztsohn aus dem Zürcher Seefeld. Der 21jährige war der erste Klavierschüler des 34jährigen russischen Pianisten, der bereits ein gefeierter internationaler Star war. Zwischen den beiden ungleichen Männern entwickelte sich eine Liebesgeschichte, die ebenso verschwiegen wie tabuisiert werden musste.

 

Lea Singer erzählt im Roman „Der Klavierschüler“ auf der Basis des Briefkonvoluts eine fiktionale Geschichte von prekärer Leidenschaft, die von Machtspielen, Sexualität, Lüge und verbotenen Sehnsüchten redet. Dass der Briefwechsel überhaupt existiert, hat mit Nico Kaufmann zu tun. Horowitz vernichtete alle Liebesbriefe an den Schüler und befahl ihm, das Gleiche zu tun. Kaufmann vermachte sie stattdessen der Zürcher Zentralbibliothek.

 

Der Roman über diese krisenreiche Beziehung zwischen 1937 und 1939 spielt sich zum grossen Teil in Zürich, in Meilen oder in Luzern ab mit Abstechern nach Gstaad, ins Engadin oder nach Hertenstein am Vierwaldstättersee, wo der mit Horowitz befreundete Rachmaninoff eine Villa direkt am See besass. Zu den Schauplätzen gehören etwa das „Baur au lac“, das „Grand Hotel National“ oder das „Carlton Tivoli“, beliebte Absteigen des Pianisten, wenn er in der Tonhalle oder an den Musikfestwochen Luzern auftrat.

 

Lea Singer: Der Klavierspieler. Kampa Verlag, Zürich 2019. 224 Seiten, 30 CHF.