02. Dezember 2019

Michael Krüger

Literatur ist für den legendären Verleger und feinsinnigen Schriftsteller Michael Krüger ein Lebenselixier. Er ist eine der imposantesten, prägendsten Verlegerfiguren Deutschlands. Viele sprachen von ihm als dem „letzten auratischen Verleger Deutschlands“ nach dem Tod der anderen Verlegerlegende, des Suhrkamp-Chefs Siegfried Unseld.

Jahrzehntelang bestimmte Krüger zuerst als Leiter des Literaturverlags und von 1995 bis 2013 als geschäftsführender Gesellschafter die Geschicke des wichtigsten Verlags im deutschsprachigen Raum: des Hanser-Verlags.

 

Fakt ist, dass Michael Krüger nicht nur literarisch, sondern auch als Geschäftsführer sehr erfolgreich war: 2010 erzielte Hanser mit rund 200 Mitarbeitern ca. 50 Mio. Umsatz. Literarisch hatte er ein Repertoire aufgebaut, das andere Verlage in den Schatten stellte. Dazu gehörten internationale Bestseller wie Umberto Ecos „Der Name der Rose“ und Jostein Gaarders „Sophies Welt“. Hanser konnte eine Vielzahl von Nobelpreisträgern an das Haus binden, so Seamus Heaney, Orhan Pamuk, Herta Müller, Tomas Tranströmer und zuletzt Mo Yan. Das Autorenverzeichnis liest sich wie ein literarisches Who’s who. Wer zu den grossen, international angesehenen Literaten gehören wollte, nährte bald einmal die heimliche Ambition, von Michael Krüger und dem Hanser Verlag „erhört“ zu werden.

 

Dass Michael Krüger ein intuitives Universaltalent ist, demonstrieren nicht nur seine Verdienste als Verleger. Er schreibt seit Jahren auch Gedichte und Romane, die dann in anderen Verlagen erscheinen. Neuestes Werk: Mein Europa. Gedichte aus dem Tagebuch (Erscheinungsdatum: September 2019). In dieser Sammlung zeigt sich Krüger als Enthusiast des stillen Beobachtens, als Eingeweihter im Gespräch der Tiere,- aber auch als glühender Anhänger des europäischen Gedankens.


Büchertisch

Buchhandlung am Hottingerplatz

Leseempfehlungen zu Michael Krüger

Der Verleger, die Autoren, die Bücher

 

Wie ist es ihm gelungen, ein literarisch so erfolgreiches Imperium wie jenes des Hanser-Verlags aufzubauen? Wie brachte er literarische und ökonomische Ansprüche unter einen Hut? Wie findet man literarische Begabungen? Wie bindet man diffizile Literaten an sein Haus und wie geht man mit ihren Macken, Exzentrizitäten, Schrulligkeiten und Spitzfindigkeiten um? Welche Strategien braucht es, um sich als Verlag behaupten zu können in Zeiten des schrumpfenden Bücherverkaufs und des galoppierenden Voranschreitens der digitalen Kultur?

 

Wir sprechen mit Michael Krüger über seine Erfahrungen als Verleger, über die Höhenflüge und die Niederlagen. Wir sprechen mit ihm über das Verlegen, das Büchermachen, das Verkaufen.

 

Wir reden über Klassiker, Titel, Manuskripte, Literaturverfilmungen, Erstlinge und Bestseller, über das Durcheinander am Arbeitsplatz, unbekannte Autoren, Literatur und Alkohol und über Kinderbücher sowie über die alltägliche Eitelkeit der Schriftsteller.

Und wir wollen von ihm wissen, wie er sich neben dem Verlagsgeschäft auch als Lyriker und Romancier profilieren konnte.

 

Michael Krüger: Mein Europa. Gedichte aus dem Tagebuch. Haymon Verlag, 2019