26. November 2018

Alain Claude Sulzer

Geboren 1953 in Riehen | Basel. Er wuchs als Kind einer französischsprachigen Mutter aus der Westschweiz und eines Baslers auf. Die Krankenschwester hatte den Vater als Patient in der Nervenheilanstalt Münchenbuchsee kennengelernt. Zu Hause wird oft französisch gesprochen. Die drei Brüder wachsen ohne Fernseher, aber mit Radio Beromünster und Radio Sottens, SJW-Heftli und Silva-Büchern auf. Der Stolz des Vaters ist ein modernes Haus mit Flachdach und schwarzem Teppich, das in einer Architekturzeitschrift erwähnt wird - die Mutter hintertreibt das moderne Einrichtungskonzept, bis davon nicht mehr viel übrigbleibt.

 

Alain Claude Sulzer wird Bibliothekar, übersetzte aber auch aus dem Französischen, etwa Teile der Tagebücher von Julien Green. Als Journalist schreibt er für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, u.a. für die NZZ. Er lebt mit seinem Lebenspartner, dem Theaterschauspieler Georg Martin Bode, abwechselnd in Basel, im französischen Vieux Ferrette und in Berlin. Die Sehnsucht ist ein zentraler Antrieb seines Schreibens: nach dem Schönen, nach der Kunst, nach dem Geliebten und nach der verlorenen Kindheit. Seine Geschichten thematisieren Auf- und Abstiege der Figuren; die homosexuelle Liebe, die über Rang- und Altersunterschiede hinwegsieht, ist dabei allgegenwärtig - aber auch das Motiv der „kaschierten Liebe“ und des Liebesverrats.

 

Alain Claude Sulzer startete seine Schriftstellerkarriere mit dem Erstling „Das Erwachsenengerüst“ (1983). Der Roman spielt im Dreiländereck und reflektiert die Wechselfälle des Lebens im Schatten des Zweiten Weltkrieges. Alain Claude Sulzer wurde für sein inzwischen umfangreiches, auch international erfolgreiches Werk mit wichtigen Preisen ausgezeichnet, so mit dem Rauriser Literaturpreis (1984) oder mit dem Prix Médicis étranger (2008).

 
Leseempfehlung zu Alain Claude Sulzer
Büchertisch: Buchhandlung am Hottingerplatz

Die Jugend ist ein fremdes Land

Roman

Der Roman erzählt vom krisenhaften Aufwachsen bei Basel in den 60er und 70er Jahren mit drei Brüdern und Eltern, die ein Geheimnis verbergen. Riehen bei Basel, nahe der deutschen Grenze, ist ein Ort der zugezogenen Gardinen, in dem niemand geschieden ist und in dem Frauen, die Auto fahren, eine anrüchige Sensation darstellen. Alain Claude Sulzer's Buch ist keine Autobiographie, aber ein hochkomisches und tieftrauriges, illusionsloses und nostalgisches Erinnerungsmosaik. Der Ballettunterricht, den der Held unter lauter Mädchen geniesst, wird darin zum Thema und wie das Gerücht aufkommt, ein russischer Choreograph habe ein Auge auf den Jungen geworfen. Oder Fräulein Zihlmann, die sich von Alains Vater gerne in die Stadt mitnehmen lässt und von der Mutter mit Hass verfolgt und vertrieben wird. Harald Schmidt kommentiert das Buch so: „Kein Roman, keine Autobiographie, aber hinreissende Erinnerungen an Buckeliturnen, schaumbedeckte Tänzer und die Wirkung von Haferflocken auf den Sexualtrieb. Zum Glück wurde Alain Claude Sulzer dann doch nicht Papst, sondern sogar Schriftsteller. Fameux!“.

 

Alain Claude Sulzer: Die Jugend ist ein fremdes Land. Galiani Verlag, Berlin 2017