23. April 2018

Jürg Acklin

Geboren 1945 in Zürich und aufgewachsen in Küsnacht. Sein sozialwissenschaftliches Studium schloss er 1974 an der Universität Bremen mit einer Dissertation über den Frühsozialisten Wilhelm Weitling ab. Parallel zur Tätigkeit als Redaktor des Schweizer Fernsehens (u.a. als Gastgeber der Sendung „Sternstunde Philosophie“) absolvierte er eine psychoanalytische Ausbildung und praktiziert seit 1983 als Analytiker. Jürg Acklin ist aber auch als Schriftsteller erfolgreich und schrieb zahlreiche Romane, u.a. „Das Tangopaar“ (1994), „Der Vater“ (1998), „Defekt“ (2002) oder „Vertrauen ist gut“ (2009). Er wurde u.a. mit dem Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis (1971) und der Ehrengabe des Kantons Zürich (2002) ausgezeichnet.

 
Leseempfehlungen zu Jürg Acklin
 

Literatur,
Zensur und Sexismus

Gespräch mit Jürg Acklin

Zum Start der Reihe „Grosse Bücher - Grosse Autoren“ diskutiert der renommierte Psychoanalytiker und Schriftsteller Jürg Acklin mit der Literaturkritikerin und Autorin Pia Reinacher über Literatur, Zensur und Sexismus. Als Grenzgänger zwischen Literatur, Psychologie und Medien ist er ein Spezialist für die aktuellen Fragen von Moral, Sexismus und Empörung und überrascht mit seinen bestechend tabulosen Analysen des angesagten moralistischen Zeitgeistes. Auf dem Höhepunkt des Weinstein-Skandals warnte er vor der Empörungsgesellschaft und den fatalen Folgen der einseitigen Sexismusdebatte: Wir würden unsere eigene Widersprüchlichkeit nicht mehr ertragen.

 

Auf dem Gebiet der Kunst sei diese Entwicklung verhängnisvoll. Literatur lebe von Phantasien, Abgründen, Sehnsüchtigen und Hoffnungen. Würde dieser Phantasieüberschuss gebändigt, hätte das platte und triviale Texte zur Folge. Der Inquisationsfuror berge die Gefahr, dass man die Dinge nicht mehr benennen dürfe. Zensur könne gerade auf dem Gebiet der Kunst gefährlich werden. Denn der Mensch sei grundsätzlich ein triebhaftes Wesen - ein Phänomen, das sich in allen Spielarten der Kunst spiegelt.

 

Diskussion mit Textbeispielen von Philip Roth, Gabriel García Márquez und Vladimir Nabokov.